In diesem Augenblick erschien der Fuchs:
„Guten Tag“ sagte der Fuchs.
„Guten Tag“, antwortete der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah.
„Ich bin da“, sagte die Stimme, „unter dem Apfelbaum…“
„Wer bist du?“ fragte der kleine Prinz. „Du bist sehr hübsch……“
„Ich bin ein Fuchs“ sagte der Fuchs.
„Komm spiel mit mir“ schlug ihm der kleine Prinz vor. “Ich bin so traurig…“
„Ich kann nicht mit dir spielen“, sagte der Fuchs. „Ich bin noch nicht gezähmt!“
„Ah Verzeihung!“ sagte der kleine Prinz. Aber nach einiger Überlegung fügte er hinzu: „Was bedeutet `zähmen?“
„Du bist nicht von hier“, sagte der Fuchs. „Was suchst du?“
„Ich suche die Menschen“, sagte der kleine Prinz. “Was bedeutet zähmen?“
„Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache“, sagte der Fuchs.„Es bedeutet: `sich vertraut machen´.“
„Vertraut machen?“
„Gewiss“, sagte der Fuchs. „Du bist für mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt…“

„Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exupéry

Es gibt Bücher, die kann man immer und immer wieder lesen. Eines von diesen Büchern, welches Erwachsene ebenso wie Kinder lesen können, ist der Kleine Prinz. Die Stelle, welche ich oben zitiert habe, ist meine Lieblingsstelle. Der Nachteil an Büchern, welche man immer und immer wieder liest ist jedoch, dass sie dazu neigen einen an etwas zu erinnern. Meine Erinnerung ist eine Traurige. Sie handelt von einem kleinen Mädchen, welches bei ihren Grosseltern aufwuchs und nachts, als sie eigentlich hätte schlafen sollen, das Licht über ihrem Bett brennen lies, nur um zu erfahren was mit dem kleinen Prinzen geschehen würde. Ich muss zugeben, dass es schon sehr lange her ist seit ich das Buch das letzte Mal gelesen habe und ich kann mich auch nicht mehr genau an das Ende erinnern, doch in meiner Erinnerung weint das kleine Mädchen, denn der kleine Prinz stirbt ganz zum Schluss.

Ich werde in den kommenden Tagen den kleinen Prinzen noch einmal lesen, um mich, wie bereits so viele Male zuvor zu überzeugen, ob er nun sterben wird oder nicht, damit meine Erinnerung etwas klarer wird. Zumindest wird das für eine Weile helfen, denn das gemeine an Erinnerungen ist, dass sie schnell verblassen und einem oft nicht die Wirklichkeit, sondern nur ein subjektives Abbild der Wirklichkeit übrig lassen, welches stäts von der eigentlichen Wirklichkeit abweicht und einem die Vergangenheit so zeigt, wie man sie gerne gehabt hätte. Manchmal wird sie auch schlimmer oder besser als das dargestellt, was in Wirklichkeit gewesen war. Doch viel zu oft ist die Erinnerung einfach nur anders.

Nichts desto trotz mag ich die Erinnerung an das kleine Mädchen, welches nachts Bücher gelesen hat und obgleich diese bestimmte Erinnerung eine traurige ist, so zeigt sie mir dennoch ein viel schöneres Bild meiner Kindheit, als sie es in Wirklichkeit war.