Foto-Freitag #18 – Er hat mich gefragt

„Er hat mich gefragt und ich habe Ja gesagt!“ Wie kann man das bitte sagen, ohne dass es nach Rammstein klingt? Vermutlich gibt es da Mittel und Wege, aber wer will sich da mit Formulierungen befassen, wenn es von einem Verlöbnis zu berichten gibt!? 

Der Mann hat also endlich gefragt, ob ich seine Frau werden will. Zuvor haben wir zwar darüber geredet und uns darauf geeinigt, dass es sinnvoll sei zu heiraten, doch so ohne Verlöbnis ist das ja nichts. Schließlich kann man ja nicht heiraten, wenn nicht einer ein Vermögen für einen Ring ausgegeben hat. Der optimistische Mann hat natürlich die Eheringe gleich mit gekauft. Schließlich war es sehr wahrscheinlich, dass ich „Ja“ sagen werde, nachdem ich ja schon die Hochzeit fertig geplant und größtenteils auch umgesetzt habe. So oder so hat er nicht an Mühen und Kosten gespart, auch wenn er mich ein wenig getrollt hat.

Wir haben einen 4-tägigen Kurzurlaub im Schlosshotel Klink gemacht, wo wir ein kleines Zimmer ohne Aussicht bewohnten. Doch da wir quasi direkt vom 31c3 dahin gefahren sind, war das nicht weiter wild. Leider ist der Mann ein sehr schlechter Lügner, so dass ich bereits am ersten Abend versehentlich aus ihn rausgequetscht habe, dass der Verlobungsring fertig ist und er ihn dabei hat. Darauf folgten mehrere Tage reinste Folter, an denen ich bei jeder seiner hastigen Bewegungen, bei jedem Mal als er sich die Schuhe binden oder ein Taschentuch aus der Tasche holen musste, einen Ring erwartet habe, bis endlich – am letzten Abend – dann die Folter den Zenit erreicht hatte:

Der Mann hat für uns im Schlossrestaurant einen Tisch gemietet. Als wir zu diesem geführt wurden, war mir bereits klar, dass da irgendwas besonderes anstehen muss, denn der Tisch war – im Gegensatz zu den anderen – festlich dekoriert und es brannten Kerzen und die Kellnerin war auch irgendwie aufgeregt. (Was ich mir aber durchaus einfach nur eingebildet haben könnte.) So oder so erwartete ich jeden Augenblick einen Antrag. Wir haben uns also durch drei Gänge purer Erwartung gekämpft und es geschah einfach nichts. Als der Mann nach der Rechnung gefragt hatte, bekam er einfach nur die Rechnung. Es sprang kein Streicher aus einem Versteck, es hat keine Rosenblüten geregnet und nichts nennenswertes passierte. Enttäuscht gab ich schon die Hoffnung auf, als er plötzlich in seine Hosentasche gegriffen hat. Mein Herz überschlug sich fast, doch an stelle einer Ringschachtel kam ein Taschentuch zum Vorschein und ich rollte nur trotzig mit den Augen.

Ich war überzeugt, er habe es sich anders überlegt. Vielleicht wollte er beim Essen fragen, aber dann war es ihm doch nicht romantisch genug, dache ich. Oder vielleicht bekam er Zweifel an unserer Beziehung? Diese und noch viel düstere Gedanken schwirrten in meinem Kopf herum, sodass mir beinahe entging, dass eine der Kellnerinnen ihm sehr auffällig zunickte und die Dame die eigentlich an der Rezeption hätte sein sollen, plötzlich verschwunden war. Die Zweifel mischten sich mit Hoffnung zu einem verwirrenden Cocktail als wir die Treppe zum ersten Stock hinauf gingen, doch an Stelle nach rechts zu unserem Zimmer abzubiegen führte der Mann mich plötzlich nach links.

„Aber hier wohnen wir doch gar nicht!“, sagte ich grad‘ noch als uns die Dame von der Rezeption entgegen geeilt kam und dem Mann fast unauffällig den Schlüssel übergab. Er, indes, führte mich zu der Tür der Turmsuite, vor welcher Rosenblätter lagen und die von Windlichtern flankiert war. Ich muss zugeben, dass ich vor lauter Aufregung Schwierigkeiten hatte das Atmen nicht zu vergessen. Als wir die Suite betraten, erwartete uns ein Meer aus Rosen, Rosenblättern, Windlichtern und Soft Jazz. In meiner Wahrnehmung überschlugen sich die Ereignisse, denn noch eher ich realisiert hatte, dass der Mann nun wohl tatsächlich einen Antrag machen wird, ist er schon auf ein Knie gesunken.

„NEIN!“, rief ich aus, denn es ging mir alles viel zu schnell, doch der Mann hatte dann gleich einige Sätze gesagt, die bestimmt wundervoll waren, an welche ich mich aber beim besten Willen nicht erinnern kann. Er beendete diesen kurzen Monolog dann mit einer Frage, an deren Wortlaut ich mich ebenfalls nicht erinnern kann, aber ich vermute stark, dass er wissen wollte, ob ich seine Frau werden will, denn er hielt mir den schönsten Ring der Welt entgegen.

Ich sagte natürlich „Ja“, nahm den Ring an mich und – aufgeregt und überrumpelt wie ich war – fing ich an zu weinen und hörte etwa eine Stunde lang nicht mehr damit auf. Es war einfach wundervoll!