Brautzilla und die Gästeliste des Grauens

So eine Hochzeit ist tatsächlich nicht ganz ohne. Man hat viele kleine Kleinigkeiten, die alle sehr viel Aufmerksamkeit bedürfen und zu diesen Kleinigkeiten gehört leider nicht die Gästeliste, denn die Gästeliste ist einiges, aber bestimmt keine Kleinigkeit

Ich habe bereits vor 7 Monaten angefangen die Hochzeit zu planen, denn da hatte ich noch einen anderen Job und viel Zeit und dachte mir „Mach das alles lieber jetzt fertig, dann hast du den Stress nachher nicht mehr“. Nun stellt sich jedoch heraus, dass ich den Menschen-Faktor nicht bedacht habe. Zum einen gibt es da die Mutter, die ja der Meinung ist mir noch „Tips“ und „Radschläge“ geben zu müssen, die ich allesamt so dringend brauche wie ein zweites Arschloch am Knie. Zum anderen – und das ist eigentlich sehr viel Schlimmer – sind da diese Leute die nach Jahren aus der Versenkung auftauchen und mit einer Selbstverständlichkeit die man nur als Dreistigkeit bezeichnen kann mir meinen erzählen zu wollen, was sie denn alles nicht essen würden, damit ich das bei der Menüplanung beachten kann. Mein innerer Miesepeter würde diesen Leuten ja gerne ins Gesicht brüllen, dass nur eingeladen ist, wer in den letzten Jahren den Anstand besessen hat sich auch nur ein mal nach meinem Befinden zu erkundigen, doch mein wohl erzogenes ich tut so, als hätte es die Bemerkungen schlicht nicht gehört, während es nur fleißig Namen zu der Kill-Later-Liste hinzufügt.

Das amüsierende daran ist, dass die Gästeliste schon längst fertig ist, die Einladungen bereits rausgegangen sind und ich eigentlich nur noch auf die letzten Zu- bzw. Absagen warte, während der ein oder andere offenbar noch immer daran glaubt, dass mit mir vor 10 Jahren mal einen Kaffee getrunken zu haben einen dazu qualifiziert, das – bisher – wichtigste Ereignis meines Lebens feiern zu dürfen.

Vermutlich denkt jede Braut, dass es ein Privileg sei, ihrer Hochzeit beiwohnen zu dürfen. Gleichsam denkt sich vermutlich jeder Gast, dass so eine Hochzeit ja schon verdammt anstrengend ist, auch wenn man nicht jede kleinste Winzigkeit planen muss, sondern eigentlich nur auftauchen sollte und gut. Wenn da nicht noch diese Winzigkeit wäre mit „Was schenkt man denen jetzt eigentlich?“, doch das ist ein Fass, dass ich jetzt wirklich nicht mehr öffnen möchte…