Hitlers geheime Sexpraktiken

Seit der Erfindung des Internets ist Hitler von einem gefürchteten Diktator und der Personifizierung des Bösen immer mehr zu einer armen Wurst und Lachfigur verkommen. Es gibt Menschen, die behaupten, dass zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Erfindung des Internets bereits ein drastischer Abfall auf der „Hitler-Furcht-Skala“ stattgefunden hat, doch leider begann die Menschheit erst mit dem Internet irgendeine Form von schriftlichen Hinweisen auf ihr Denken zu hinterlassen und aus der grauen Vorzeit sind keinerlei Überlieferungen vorhanden. Des Hitlers schlechten Rufes, sowie immer mehr Hinweise auf die Lächerlichkeit seines Seins werden Vielerorts im Web dokumentiert. Einen der größeren Beiträge hierzu liefert eine Gruppe Jünger, welche sich in dem neumodischen Medium „Twitter“ mit dem Thema „Hitler Dokus“ befasst und immer skurrilere Geheimnisse rund um den Führer aufdeckt. 

Geheime Sexpraktiken

Jeder Mensch hat sie – seine Vorlieben, die er selbst zwar (hoffentlich) für normal hält (denn das sind sie schließlich auch), mit denen er jedoch nicht hausieren gehen möchte. Das Thema Sex ist vor allem seit den 60er Jahren immer salonfähiger geworden, sorgt jedoch nach wie vor für kontroverse Diskussionen. Was ist nun eigentlich erlaubt? Was kann ich öffentlich zugeben und was darf in gar keinem Fall an das Licht der Öffentlichkeit kommen? Während Politiker mit aussagen wie: „Ich bin schwul und das ist gut so!“ für Schlagzeilen sorgten, und es vor einiger Zeit einen Aufruhr um SM-angehauchte Fotos einer Piratin gab, sorgt der Schundroman „50 Shades of Gray“ immer mehr dafür, Tabus rund um das Bett einzureisen und immer mehr als neuartig geltende Praktiken an das Licht der Öffentlichkeit zu tragen.

Doch wie weit will man da eigentlich gehen? Es ist okay im Allgemeinen darüber zu reden, dass es wohl das Eine oder andere gibt, in dem irgendwelche Menschen einen Gefallen finden, doch stellt sich eine Alice Schwarzer hin und sagt: „Ich stehe auf Analverkehr,“ wird sie von den Medien gesteinigt. Im Grunde will man auch gar nicht wissen, was der eigene Chef im Ehebett (oder sonst wo) treibt, denn die Intimsphäre des anderen zu kennen führt immer dazu, dass man die Person, die es betrifft in einem anderen Licht betrachtet. Wie redet man also über etwas, über das keiner so richtig reden möchte? Wie sorgt man dafür, dass ein Thema publik wird und gesellschaftliche Anerkennung bekommt, ohne sich als einen Praktizierenden zu outen? Die Piratenpartei hat in den letzten Jahren mehr als häufig genug bewiesen, dass „Themen statt Köpfe“ einfach nicht funktioniert, doch wenn es um die sexuellen Vorlieben geht, möchte niemanden seinen Kopf hinhalten, in der Furcht, er könnte von der breiten Masse zum Rollen gebracht werden.

Open Mindedness

Die meisten Menschen haben dank des Internets einen relativ guten Überblick darüber was es „da Draußen“ eigentlich alles an Praktiken, Vorlieben, Fetischen und diversem Anderen gibt. Jugendliche sehen sich in Gruppen gackernd Sexspielzeug an, während keiner zugeben mag, dass er keine Ahnung hat wie man es eigentlich verwenden soll. „Echte Kerle“ schauen heimlich Schwulenpornos und schämen sich ihrer Erregung. Hausfrauen … nun, Hausfrauen hatten schon immer ihre Groschenromane die von Lust und Verführung nur so triefen, wobei sie heutzutage wohl immer öfter von einem Mr. Gray und Hundehalsbändern schwärmen. Das Internet ist ein wundervolles Medium in dem man die geheimsten, dreckigsten und beschämendsten Phantasien zumindest optisch befriedigen kann, ohne dass man von irgendwem dafür verurteilt wird. Und dabei leben wir in einer Welt, in der es in ist open-minded zu sein.

Es ist toll beim Christopher Street Day auf die Strassen zu gehen, den Trubel an sich vorbei ziehen zu lassen oder gar mitzulaufen. Und das ist auch gut so. Es wird immer populärer für die „Perversen“ eine Lanze zu brechen und auch das ist gut. Immer öfter hört man, dass homophobe Männer von Horden wildgewordener, veganer Feministinnen gesteinigt werden und selbst wenn ich keine Gewalt propagieren möchte, hat selbst das auf irgendeiner Ebene bestimmt seine Richtigkeit. Wir leben in der tollen, neuen Welt in der alles erlaubt ist und wo die sexuelle Freiheit die Herzen alternder Hippies zu den verklingenden Tönen von „California Dreamin'“ schlagen lässt.  Und auch das ist eine gute Sache. Während also die vor einiger Zeit erschienene Verfilmung von „50 Shades“ pubertäre Mädchen von  Handschellen und Reitgärten träumen lässt, denken nur die wenigsten daran, dass der Film doch nur eine schlechte Persiflage auf den eigentlichen Sadomasochismus darstellt. Und dieses ganze Verständnis und die gesamte Liberalität hört eh schlagartig auf, sobald man über zwei Mädels mit einem Becher stolpert, die mit Kot und Breche herumhantieren.

Der Bogen zu Hitler

Leider ist es nun so, dass diese Freiheit, welche wir alle genießen, den Nachteil hat, dass wenn man Dinge relativieren möchte, man nicht umhin kommt jemanden damit auf die Füße zu treten. Wenn ich mir jetzt also eine Menschengruppe als Thema vorgenommen hätte und über ihre Sexualität sinnieren würde, so würde ich mich gleichsam zum Feindbild dieser Gruppe machen, unabhängig davon ob ich Teil dieser Gruppe bin oder nicht. Wäre ich z.B. lesbisch, würde man mir vorwerfen, ich könne nicht von mir auf andere schließen (was nicht ganz falsch ist), wäre ich hingegen heterosexuell, würde man mir vorwerfen, dass ich durch meine mangelnde Erfahrung und Zugehörigkeit doch kein Recht habe, über Lesben zu schreiben (was ebenfalls einen wahren Kern haben mag). Dies im Sinn behaltend beschloss ich also über die Sexualität Hitlers zu schreiben, denn damit kann ich einzig und allein den Nazis auf den Schlips treten und – wenn wir ehrlich sein sollen – interessiert das niemanden so wirklich.

Hitlers Vorlieben

Wir wissen herzlich wenig darüber was Hitler so zwischen den Laken trieb und eigentlich interessiert es auch keinen. Und gleichermaßen interessiert es jeden, denn wir sind von Natur aus zum Gaffen geboren. Man kann dies bestreiten so viel man will, doch der Stau auf der Autobahn der wegen eines Unfalls passiert, liegt meist eher daran, dass die Vorbeifahrenden genau sehen wollen was da los ist. Und „Ih!“ rufen, wenn es Leichenteile zu sehen gibt. Wir betreiben eine Kultur des Ehlendstourismus‘ und nicht nur das. Während die meisten Meisten sagen, dass sie doch keine fickenden Leute im Wohnzimmer haben möchten, sehen sie sich den Liebesakt sehr gerne und ausgiebig am Fernseher oder im Netz an, was die jährlichen Statistiken von PornHub immer wieder aufs neue belegen. Keiner Onaniert, doch alle machen’s. Niemand will darüber reden und doch weiß jeder bescheid. Es liegt nahe zu vermuten, dass auch Hitler onanierte. Damit fällt also keine neue Erkenntnis vom Himmel, diesen Satz so schwarz auf weiß zu sehen bereitet jedoch in gewisser maßen Unbehagen. Und dabei ist dies ja nur etwas, was wir ohnehin alle wissen. Jetzt machen wir Hitler doch mal Homosexuell und stellen ihn als Darsteller eines Pornofilms hin. Das Unbehagen wächst. Machen wir aus Hitler einen devoten Masochisten, der nur dafür lebte Eva Brauns Schuhsohlen zu lecken und sich den Hintern grün und blau prügeln zu lassen, kommen wir schon eher wieder an einen Punkt wo dies nicht mehr ganz so schlimm ist und man darüber kichern mag.

Ich habe mich gefragt woran das liegen kann, und bin zu dem Schluss gekommen, dass es dem Öffentlichkeitsfaktor verschuldet ist. Über Schwule darf man nicht lachen, über Masochisten schon. Die Schwulen und Lesben haben sich in den vergangenen Jahrzehnten das Recht dazu erkämpft ernst genommen zu werden. Wenn man sich vor Augen hält, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass ein Mann (oder eine Frau) seiner Freiheit beraubt wurde, nur weil „die Anderen“ Angst vor Homosexuellen hatten, möchte man schon fast nicht mehr daran glauben. Ich stelle es bewusst so dar, als sei die Frage der sexuellen Orientierung kein Thema mehr, obwohl es noch immer eines ist, denn ich möchte an eine Welt glauben, der es egal ist wen man vögelt, solange es einen glücklich macht.

Doch zurück zum unterwürfigen Hitler. Warum kann der Otto-Normal-Bürger nicht verstehen, dass es Menschen gibt die ihre Erfüllung darin finden sich zu unterwerfen, während er durchaus in der Lage ist, das Verständnis für Homosexualität aufzubringen? Wo genau ist der Punkt, an dem unser Otto daran scheitert, aus: „Schwule sind okay, die machen keinem was“ ein eher allgemeiner gefassteres: „Menschen mit seltsamen, mir unbekannten, Vorlieben sind okay, die machen keinem was“ zu machen? Und warum sich Otto stundenlang Lesbenpornos ansieht, wo er doch wissen sollte, dass diese Frauen explizit nicht auf Männer stehen, werde ich wohl in diesem Leben auch nicht mehr verstehen.

Sex und Lust sind nicht rational

Es ist nicht rational zu erklären, warum der Eine lieber darauf steht einen Blow Job zu bekommen, während der andere seinen Orgasmus nicht erreichen kann ohne Wollsocken zu tragen. Mein Herz blutet immer für Menschen, die einen Fetisch haben, wobei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich betont sei, dass „Fetisch“ kein anderer Begriff für „Vorliebe“ ist. Einen Fetisch zu haben – wie unser Wollsockenfreund – bedeutet, nicht in der Lage zu sein einen sexuellen Höhepunkt zu erreichen, ohne dass das Objekt seines Fetischismus in die Handlung involviert ist.

Das mag bei den Wollsocken noch harmlos erscheinen, doch man führe sich vor Augen, dass im Grunde jedes Objekt zum Fetisch erhoben werden kann. Will man es im übertragenen Sinne auf die Spitze treiben, so muss man sich nur einen Brandenburger-Tor-Fetischisten vorstellen und schon kann man den Leidensdruck, der dadurch entstehen kann besser verstehen. Doch kommen wir zu dem masochistischen Hitler zurück, schon schwindet wieder der Eindruck des Verstehens. Wir streben häufig im Leben danach das „Warum?“ ergründen zu wollen: Warum dreht sich die Erde um die Sonne? Warum habe ich so viele einzelne Socken über? Warum kann Merkel nicht ihre verdammten Wahlversprechen einhalten? (Von wegen: „Mit mir wird es keine Maut geben.“)

Auch was die Sexualität angeht, wollen wir gerne genau wissen, warum Dinge so sind wie sie sind und was jetzt eigentlich dieses Squirting ist, um das es immer wieder laut wird. Meine Antwort auf allerlei Fragen dazu, warum die einen Menschen die eine Praktik toll finden und die andere nicht, ist schlicht: „Weil es sie geil macht“. Dies mag plump klingen, doch kaum war mal eine Feststellung so simpel, kompakt und zugleich wahr. Wir Menschen sind von einer enormen Vorstellungsgabe geplagt, welche sowohl Damen in knappen Bikinis wie auch Elefanten in rosa Kleidchen vor unseren inneren Auge entstehen lassen kann. Unsere Gehirne sind nicht nur dazu im Stande komplexe Zusammenhänge zu erkennen und verarbeiten, sondern auch für Unterhaltung zu sorgen, wenn wir eine monotone Tätigkeit ausüben.

Wir tragen einen Simulator mit uns herum, der einen masochistischen Hitler in unseren Köpfen entstehen lassen kann und doch scheint es, wir können nicht einen Schritt weiter gehen und uns damit zufrieden geben, dass Hitler sehr glücklich damit sein könnte Evas Schuhe zu „reinigen“, da es uns selbst einfach nicht erregt. An dieser Stelle bin ich geneigt zu glauben, dass dies einzig und allein daran liegt, dass man Hitler einfach kein Glück gönnen möchte. Nehme ich also meinen Chef und bringe ich ihn in gleiche Lage, so würde meine These verlangen, dass mein Verständnis mit zunehmender Sympathie ebenfalls zunehmen sollte. Dem ist es aber nicht so, was allein den Beweis für die Falschheit These liefert, drum glaub‘ ich viel mehr, dass wir trotz all unserer Open Mindedness und all unserer Liberalität einfach noch nicht bereit sind, sich auf die uns abstoßenden Sexualpraktiken gedanklich einzulassen.