Ich und die Bipolare Störung

Ich bin Bipolar. Das bedeutet nichts anderes, als dass ich manisch-depressiv bin. Ich schreibe darüber, rede darüber, breche es auf die Depression runter, und versuche auch bei diesem Thema aus eigener Erfahrung zu berichten und auf die Problematik hinzuweisen. Dies zu tun war keine leichte Entscheidung, denn öffentlich darüber zu sprechen, dass man krank ist, hat Nachteile. Ich begebe mich zum Beispiel in die Gefahr, von einem zukünftigen Arbeitgeber aufgrund der Krankheit bereits im Bewerbungsprozess aussortiert zu werden. Ich werde auch gerne von meinen Mitmenschen auf meine Krankheit reduziert, frei nach dem Motto „Ach ja, Bipolar, ja dann weiß ich schon alles über dich“. Ich finde aber, dass Jemand darüber reden muss, und noch bin ich gerne bereit, dieser Jemand zu sein. 

Eigentlich fing das alles sehr harmlos an: Ich habe einen Artikel geschrieben, in welchem ich meinen Alltag mit der Bipolarität beschrieb. Der eigentliche Plan, den ich dabei hatte war, meinem Mann einige Dinge klar zu machen, über die ich mit ihm nicht reden konnte. Mehr war das eigentlich nicht. Ich hätte ihm natürlich auch eine Email schreiben, oder einen Zettel auf dem Schreibtisch legen können. Indem ich aber mein Leben mit der Krankheit beschrieb, stellte ich fest, dass es etwas ist, was ich nicht länger vor meinen Freunden, meinen Bekannten und meiner Umwelt verheimlichen möchte.

Das Feedback, welches ich zu dem Artikel bekam war nicht öffentlich. Ab und zu hat jemand bei Facebook was dazu geschrieben, doch meist eher eine allgemeine Floskel während er den Link teilte. Das eigentliche, persönliche Feedback kam per Mail, Private Nachricht oder auch persönlich. Es fing häufig ähnlich an: „Ich würde nie öffentlich darüber reden“ oder „Es ist gut, dass jemand darüber schreibt, da ich aus $Gründen nicht öffentlich dazu Stellung nehmen kann“ Die Emails sagten häufig, dass die Absender sich in meiner Lage wiederfinden, oder dass es gar so ist, als beschrieb ich deren Leben. Alles in allem waren es nur positive Reaktionen gewesen und jede einzelne Nachricht war dabei mehr wehrt, als tausend Likes bei Facebook es hätten je sein können. Meine Reaktion darauf war gemischt. Ich fühlte mich missverstanden, da fast jeder nur die Depression ansprach und meine Leser nicht zu verstehen schienen, dass ich unter der Manie mindestens genauso leide. Ich war überrascht, weil ich nicht vermutet hätte, dass der Artikel so häufig geteilt und empfohlen werden würde. Heute, da ich medikamentös behandelt werde und vor allem das Chaos meiner Gedanken gebändigt zu sein scheint, wundert es mich umso mehr, das ein so strukturloser Artikel so viel Aufmerksamkeit bekommen konnte. Ich war – und bin – vor allem aber auch sehr stolz auf mich, weil ich dien Schritt in die Öffentlichkeit gewagt habe. Es hat etwas befreiendes an sich, die Krankheit in Worte zu verpacken, welche sonst wie ein unbeschreibliches Monster in der Ecke zu lauern scheint und einen in jedem Augenblick überfallen könnte.