…über Vorstellungsgespräche

Es wurde Abend, auch wenn die Sonne noch hoch genug am Himmel stand um nur subtil darauf hinzuweisen. Der Bus, in dem ich saß, rüttelte bei jeder Unebenheit in der Straße und von diesen gab es sehr viele. Vor dem Fenster zog die Welt an mir vorbei: Menschen, Autos, der Trubel der Großstadt, gelegentlich durchwebt von Kirschblüten, welche wie durch Magie und erst vor wenigen Tagen an den sonst kahlen Bäumen erschienen waren. Weniger Mäntel und mehr bunte Farben schreien in die Welt hinaus, dass Frühling war, zelebrierten nahezu jeden Sonnenschein. Die Fahrt war nicht lang gewesen als ich an einer kleinen Haltestelle mitten im nirgendwo ausstieg. Für mich fühlte es sich wie das Nirgendwo an und doch war ich nur Schritte vom Herzen der Stadt entfernt. Ich stand vor einem hohen Gebäude; das Eingsangsportal wirkte weder einladend noch abschreckend. Das Klingelschild – eine Messingplatte – auf der die Lettern zu verblassen begannen. Ich drückte den Knopf und wartete und das Warten kam mir vor wie eine Ewigkeit. Schließlich das Summen des Buzzers und ich ging hinein.

Wie soll ich mich verhalten? Die Frage, die jeden Bewerber beschäftigt. Ich will selbstsicher wirken, aber nicht zu sehr von mir selbst überzeugt. Ich will zeigen, was ich kann, ohne den Eindruck zu vermitteln, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Ich will ich selbst sein und mich dennoch von der besten Seite präsentieren. Und schließlich die Frage: Was kann ich eigentlich überhaupt?

Niemand mag Bewerbungsgespräche. Weder als Bewerber, noch als Personalverantwortlicher, der letztlich entscheiden soll, welcher Kandidat der Richtige sei. Letztlich gibt es auch nicht den richtigen Kandidaten, oder zumindest macht es den Eindruck, als wäre jeder Bewerber auf seine eigene Weise falsch. Das vorsichtige Abwegen zwischen menschlichen Kompetenzen, fachlichem Können und der unentwegt bohrenden Frage, ob der Kandidat ins Team passt kann den Personaler in die Verzweiflung treiben. Doch auch das hängt maßgeblich von dem Personaler ab. Jeder setzt seinen Fokus woanders. Manche gehen rein nach der Fachkompetenz, stellen nur sachliche Fragen und interessieren sich für nichts anderes als das. Andere wollen mehr von der Persönlichkeit des Kandidaten wissen, setzten den Fokus auf charakterliche Entwicklung, sagen gar „Das Fachliche bringen wir Ihnen schon bei.“

Als Bewerber weiß man nicht, worauf man sich vorbereiten soll. Man ist auf alles vorbereitet. Einmal tief Luft holen. Die Tür aufschieben, dann verstummt der Buzzer. Die Absätze klackern auf dem Steinboden. Noch eine Tür, dann beginnt es und es ist wie das erste Mal mit den Schwiegereltern: Man will einfach nur einen guten Eindruck machen.