…über Vorstellungsgespräche

Es wurde Abend, auch wenn die Sonne noch hoch genug am Himmel stand um nur subtil darauf hinzuweisen. Der Bus, in dem ich saß, rüttelte bei jeder Unebenheit in der Straße und von diesen gab es sehr viele. Vor dem Fenster zog die Welt an mir vorbei: Menschen, Autos, der Trubel der Großstadt, gelegentlich durchwebt von Kirschblüten, welche wie durch Magie und erst vor wenigen Tagen an den sonst kahlen Bäumen erschienen waren. Weniger Mäntel und mehr bunte Farben schreien in die Welt hinaus, dass Frühling war, zelebrierten nahezu jeden Sonnenschein. Die Fahrt war nicht lang gewesen als ich an einer kleinen Haltestelle mitten im nirgendwo ausstieg. Für mich fühlte es sich wie das Nirgendwo an und doch war ich nur Schritte vom Herzen der Stadt entfernt. Ich stand vor einem hohen Gebäude; das Eingsangsportal wirkte weder einladend noch abschreckend. Das Klingelschild – eine Messingplatte – auf der die Lettern zu verblassen begannen. Ich drückte den Knopf und wartete und das Warten kam mir vor wie eine Ewigkeit. Schließlich das Summen des Buzzers und ich ging hinein. Continue reading

…über Weiblichkeit

„Du bist ein Mädchen“ hat man mir gesagt. „Du musst dich mehr wie ein Mädchen verhalten.“ Manchmal hieß es auch „Sowas machen Mädchen nicht“ oder „Mädchen dürfen nicht im Dreck spielen.“ Ich wollte kein Mädchen sein. Es schien, als wäre alles, das Spaß macht, verboten. Als wäre die Welt schwarz und weiß und ich mich nicht einmal entscheiden konnte, auf welcher Seite ich stehen will. Natürlich hat es Spaß gemacht, mit Barbies zu spielen… Aber Lego war auch toll und ich liebte diese kleinen Autos, die man zurück ziehen musste, damit sie über den Teppich rasen. Ich hatte nur eins davon und das habe ich von irgendwem bekommen, der es nicht mehr mochte.

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Sticky Post

…über meinen Suizid

Ich bin suizidal. Das klingt in erster Linie schlimmer als es ist, denn die meiste Zeit, werde ich davon in meinem Leben nicht beeinträchtigt. Doch dann gibt es diese Momente, in denen es schlimmer ist, als sonst. Diese Tage, an denen ich den Eindruck habe, dass die Sonne bereits untergeht, noch eher sie aufgegangen ist, ungeachtet dessen, welche Uhrzeit wir haben. Diese Tage, an denen ich an der Haltestelle sitze und auf meine Bahn warte, doch lasse ich mehrere Bahnen fahren, ohne aufzustehen, denn ich kann mir nicht länger sicher sein, dass ich es schaffe einzusteigen und nicht vor sie zu springen. Diese Tage, in denen ich bei der Arbeit anrufe und bescheid sage, dass ich lieber nicht vor die Tür gehen möchte. Diese Tage an denen ich meine Freunde brauche. Continue reading

In diesem Augenblick erschien der Fuchs:
„Guten Tag“ sagte der Fuchs.
„Guten Tag“, antwortete der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah.
„Ich bin da“, sagte die Stimme, „unter dem Apfelbaum…“
„Wer bist du?“ fragte der kleine Prinz. „Du bist sehr hübsch……“
„Ich bin ein Fuchs“ sagte der Fuchs.
„Komm spiel mit mir“ schlug ihm der kleine Prinz vor. “Ich bin so traurig…“
„Ich kann nicht mit dir spielen“, sagte der Fuchs. „Ich bin noch nicht gezähmt!“
„Ah Verzeihung!“ sagte der kleine Prinz. Aber nach einiger Überlegung fügte er hinzu: „Was bedeutet `zähmen?“
„Du bist nicht von hier“, sagte der Fuchs. „Was suchst du?“
„Ich suche die Menschen“, sagte der kleine Prinz. “Was bedeutet zähmen?“
„Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache“, sagte der Fuchs.„Es bedeutet: `sich vertraut machen´.“
„Vertraut machen?“
„Gewiss“, sagte der Fuchs. „Du bist für mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt…“

„Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exupéry

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